Euro­pa­meis­ter­schaft 2016 in Mon­treux

Europameisterschaft 2016 in Montreux - Titel
Foto: Patrick Upmann – Deut­sche Tae­kwon­do Uni­on (DTU)

Bron­ze für Rabia

Die Tae­kwon­do-Euro­pa­meis­ter­schaft 2016 wur­de vom 19. bis zum 22. Mai in Mon­treux aus­ge­tra­gen.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Der Genfersee
Der Gen­fer­see – Foto: Darya Yakov­le­va
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Der male­risch am Gen­fer­see gele­ge­ne Schwei­zer Nobel-Urlaubs­ort zählt gera­de mal 26.000 Ein­woh­ner, ist aber vor allem dank sei­nes jähr­lich statt­fin­den­den hoch­ka­rä­ti­gen Jazz Fes­ti­vals welt­be­kannt.

48 der 50 Mit­glieds­staa­ten der ETU waren mit ins­ge­samt 380 Sport­lern, dar­un­ter vier der acht Olym­pia­sie­ger von Lon­don 2012, ange­reist, um zu ver­su­chen, sich eine der 64 EM-Medail­len zu erkämp­fen. Die Deut­sche Tae­kwon­do Uni­on (DTU) war mit 14 Sport­lern, also einem fast voll­stän­dig besetz­ten Team, ver­tre­ten.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Schloss Chillon am Genfersee
Schloss Chil­lon am Gen­fer­see – Foto: Čes­ký svaz Tae­kwon­do (Tsche­chi­scher Tae­kwon­do Ver­band)

Dar­un­ter befan­den sich mit Anna-Lena Fröm­ming, Rabia Güleç und Tahir Güleç drei Ver­eins­mit­glie­der von Tae­kwon­do Özer. Auch vom KSC Leo­pard waren mit Roxa­na Not­haft, Abdul­la­tif Sez­gin und Ham­za Adnan Karim drei Sport­ler für die EM nomi­niert wor­den. Vom drit­ten baye­ri­schen Ver­ein, dem TV Alt­mann­stein, kamen mit Vanes­sa Körndl und Lore­na Brandl zwei Teil­neh­mer. Zu den acht baye­ri­schen Sport­lern gesell­ten sich noch jeweils drei Ath­le­ten ver­schie­de­ner Ver­ei­ne aus Nord­rhein-West­fa­len (Shae-Rom Kim, Yan­na Schnei­der und Levent Tun­cat) sowie Baden-Würt­tem­berg (Giu­lia­na Fede­ri­ci, Ewald Gles­mann und Alex­an­der Bach­mann). Unbe­setzt waren nur die bei­den Her­ren-Gewichts­klas­sen ‑63 kg und +87 kg geblie­ben. Die DTU hat­te also mit dem Rou­ti­nier Levent Tun­cat nur einen ein­zi­gen Ver­tre­ter der „alten Gar­de” mit­ge­nom­men und setz­te ansons­ten auf ein sehr jun­ges Team, das aus drei Grup­pen bestand: Sport­lern, die sich auch im Senio­ren­be­reich bereits an der Welt­spit­ze eta­bliert haben (unser Spit­zen­trio Anna-Lena, Rabia und Tahir), Ath­le­ten, die sich bei inter­na­tio­na­len Welt­rang­lis­ten­tur­nie­ren bewährt haben (Yan­na Schnei­der und Lore­na Brandl) sowie hoff­nungs­vol­len Nach­wuchs­sport­lern.

Europameisterschaft 2016 Montreux - DTU-Team
Foto: Patrick Upmann – Deut­sche Tae­kwon­do Uni­on (DTU)

Mit der Mann­schaft waren außer­dem mit­ge­reist: Damen-Bun­des­trai­ner Car­los Este­ves, Her­ren-Bun­des­trai­ner Aziz Ach­ar­ki, Bun­des­trai­ner Bun­des­wehr Georg Streif, Dis­zi­plin-Bun­des­trai­ner Özer Güleç, Dis­zi­plin-Bun­des­trai­ner Dong-Eon Lee, Mann­schafts­arzt Dr. Chris­ti­an Bäuml, Phy­sio­the­ra­peut Andre­as Welz, DTU-Prä­si­dent Ste­fan Kla­wi­ter, Sport­di­rek­tor Hol­ger Wun­der­lich, Sport­re­fe­rent Timo Weiss sowie Medi­en- und Pres­se­re­fe­rent Patrick Upmann.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Lorena Brandl, Roxana Nothaft, Shae-Rom Kim, Vanessa Körndl und Roxanas Schwester Ricarda
Foto: Nad­ja Not­haft

Da die Schweiz für die umlie­gen­den Natio­nen Frank­reich, Ita­li­en, Öster­reich und Deutsch­land rela­tiv schnell zu errei­chen ist, waren auch vie­le offi­zi­el­le und pri­va­te Unter­stüt­zer­grup­pen vor Ort, um Freun­de und Vor­bil­der anzu­feu­ern.

Europameisterschaft 2016 Montreux - TKD Özer Unterstützungsteam: Agnes Guerra, Selina Öztürk, Nigda Baser und Shayna Guerra
Foto: Agnes Guer­ra

Obwohl von Nürn­berg aus gese­hen die Nähe zur Schweiz eher „gefühlt” als real ist, war auch eine Grup­pe unse­rer Ver­eins­mit­glie­der sowie die Fami­lie Güleç nach Mon­treux gefah­ren, um am Sams­tag Rabi­as und Tahirs Kämp­fe live mit­zu­er­le­ben und anschlie­ßend gleich wie­der den über sie­ben Stun­den lan­gen Heim­weg anzu­tre­ten.

An jedem der vier Tage des Tur­niers wur­den auf vier okto­go­na­len Mat­ten unter Ein­satz der elek­tro­ni­schen Wes­ten und Kopf­schüt­zer von Dae­do die Wett­kämp­fe in zwei Gewichts­klas­sen der Damen und zwei Gewichts­klas­sen der Her­ren aus­ge­tra­gen.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Wettkampfhalle Innenraum
Foto: Čes­ký svaz Tae­kwon­do (Tsche­chi­scher Tae­kwon­do Ver­band)

Am ers­ten Tag der EM konn­te kei­ner der vier ange­tre­te­nen deut­schen Sport­ler in die Medail­len­rän­ge vor­drin­gen. Giu­lia­na Fede­ri­ci unter­lag im ers­ten Kampf der Kroa­tin Kris­ti­na Tomić. Shae-Rom Kim gewann ihren ers­ten Kampf, schied dann aber im Vier­tel­fi­na­le gegen die spä­te­re Titel­ge­win­ne­rin aus der Ukrai­ne, Iry­na Romol­d­ano­va, aus. Abdul­la­tif Sez­gin erreich­te mit zwei Sie­gen eben­falls das Vier­tel­fi­na­le, unter­lag dort aber dem Rus­sen Mikhail Art­a­mo­nov. Levent Tun­cat, die größ­te deut­sche Medail­len­hoff­nung am ers­ten Wett­kampf­tag, unter­lag in sei­nem ers­ten Kampf, dem Ach­tel­fi­na­le, dem Bri­ten Feyi Pear­ce, der ihn schon bei den Ger­man Open aus dem Ren­nen gewor­fen hat­te.

Der zwei­te Tag der EM ver­lief dank Ham­za Adnan Karim sehr erfolg­reich für das deut­sche Natio­nal­team.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Hamza Adnan Karim mit seiner Bronzemedaille sowie den Trainern Aziz Acharki und Georg Streif
Foto: Denis Sekre­tev – World Tae­kwon­do Fede­ra­ti­on (WTF)

Mit vier Sie­gen erreich­te Ham­za das Fina­le, in dem sein für die Tür­kei star­ten­der Ver­eins­ka­me­rad Ser­vet Taze­gül, der eben­falls vier Kämp­fe gewon­nen hat­te, auf ihn war­te­te. Das ver­eins­in­ter­ne Traum­fi­na­le des KSC Leo­pard konn­te Ser­vet knapp für sich ent­schei­den und so durf­te der tür­ki­sche Natio­nal­held sei­ner lan­gen Lis­te an Erfol­gen den fünf­ten Euro­pa­meis­ter-Titel bei den Senio­ren hin­zu­fü­gen.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Servet Tazegül mit der türkischen Fahne nach seinem Titelgewinn
Foto: Denis Sekre­tev – World Tae­kwon­do Fede­ra­ti­on (WTF)

Nach sei­nem EM-Titel bei der Jugend 2005 hol­te er also ab 2008 bei jeder Senio­ren-Euro­pa­meis­ter­schaft Gold. Ser­vet stell­te damit den fast 30 Jah­re uner­reicht geblie­be­nen Rekord des ita­lie­ni­schen Alt­meis­ters Gere­mia di Con­stan­zo ein, der sei­ne fünf EM-Titel bei den Her­ren aller­dings nicht am Stück gewon­nen hat­te, son­dern mit einer Bron­ze-Unter­bre­chung. Bei den Damen hält der Rekord inzwi­schen auch schon 25 Jah­re. Die Spa­nie­rin Coral Bis­tu­er konn­te eben­falls fünf EM-Titel für sich ver­bu­chen (mit einer Unter­bre­chung durch eine erfolg­lo­se Teil­nah­me). Ham­za bewies mit dem Gewinn der Sil­ber­me­dail­le bei sei­ner ers­ten Senio­ren-EM, dass auch er zur Rie­ge der jun­gen Sport­ler gehört, die sich nach gro­ßen Erfol­gen als Jugend­li­che (Ham­za hol­te EM-Gold sowohl bei den Kadet­ten als auch bei der Jugend sowie EM-Bron­ze bei den Junio­ren) auch bei den Senio­ren sehr schnell in der Welt­spit­ze eta­blie­ren konn­ten.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Siegerehrung mit Servet Tazegül und Hamza Adnan Karim
Foto: Denis Sekre­tev – World Tae­kwon­do Fede­ra­ti­on (WTF)

Die bei­den ande­ren Deut­schen, die am zwei­ten EM-Tag antra­ten, Roxa­na Not­haft und Anna-Lena Fröm­ming, schie­den bei­de lei­der bereits im ers­ten Kampf aus. Roxa­na gegen die Bri­tin Char­lie Mad­dock, Anna-Lena gegen die Fin­nin Suvi Mikko­nen.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Hasim Celik bei der Siegerehrung der Afrikanischen Para-Taekwondo-Meisterschaft
Foto: Haşim Çelik

Dis­zi­plin­bun­des­trai­ner Nuret­tin Yıl­maz ver­pass­te den Tri­umph sei­ner bei­den Schütz­lin­ge, da er mit Haşim Çelik, Behin­der­ten-Welt­meis­ter 2013 und Behin­der­ten-Euro­pa­meis­ter 2015, der seit die­sem Jahr nicht mehr für die Tür­kei, son­dern für Deutsch­land star­tet, zur ers­ten offe­nen Afri­ka­ni­schen Para-Tae­kwon­do-Meis­ter­schaft, die für Afri­ka­ner als G4- und für Nicht-Afri­ka­ner als G2-Tur­nier ein­ge­stuft wor­den war, nach Kai­ro geflo­gen war. Haşim konn­te sich dort bei sei­nem ers­ten Ein­satz für Deutsch­land mit zwei gewon­ne­nen Kämp­fen den ers­ten Platz und 20 Welt­rang­lis­ten­punk­te sichern. Am drit­ten Tag der EM konn­te sich Rabia Güleç mit zwei knap­pen Sie­gen (im zwei­ten Kampf gegen die Schwei­zer Titel­ver­tei­di­ge­rin Nina Kläy) eine Medail­le sichern. Ihr Halb­fi­na­le gegen die an Num­mer 1 gesetz­te aktu­el­le Welt­meis­te­rin İrem Yaman aus der Tür­kei ver­lor sie dann knapp und beleg­te somit wie bei der EM 2014 in Aser­bai­dschan den drit­ten Platz.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Siegerehrung mit Rabia Gülec
Foto: Denis Sekre­tev – World Tae­kwon­do Fede­ra­ti­on (WTF)

Bei Tahir Güleç lief es weni­ger gut. Er zog sich im ers­ten Kampf eine schmerz­haf­te Mus­kel­ver­let­zung zu, konn­te die­sen aber den­noch gewin­nen – wenn auch denk­bar knapp durch Com­pu­ter­ent­scheid. Im zwei­ten Kampf, sei­nem Vier­tel­fi­na­le, büß­te er – nur sehr ein­ge­schränkt kampf­fä­hig – in den letz­ten Sekun­den sei­ne knap­pe Füh­rung durch umstrit­te­ne Ver­war­nun­gen ein und muss­te gegen den Polen Pio­tr Pazinski in die Gol­den-Point-Run­de, die er dann lei­der ver­lor.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Rabia Gülec mit ihrer Bronzemedaille und Ihrer Familie sowie Anna-Lena Frömming und Stanislav Staykov
Foto: Patrick Upmann – Deut­sche Tae­kwon­do Uni­on (DTU)

Vanes­sa Körndl ist nach einem Sieg im ers­ten Kampf anschlie­ßend im Vier­tel­fi­na­le gegen die an Num­mer 1 gesetz­te Fran­zö­sin Haby Nia­ré aus­ge­schie­den. Ewald Gles­mann hat sei­nen ers­ten Kampf gewon­nen, danach aber das Ach­tel­fi­na­le ver­lo­ren.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Siegerehrung mit Rabia - Bild 02
Foto: Tür­ki­ye Tae­kwon­do Feder­asyo­nu (Tür­ki­sche Tae­kwon­do Föde­ra­ti­on)

Am letz­ten Tag der EM schie­den alle drei Deut­schen, die an der Rei­he waren, ohne Medail­le aus. Yan­na Schnei­der ver­lor ihren ers­ten Kampf, das Ach­tel­fi­na­le, gegen die Rus­sin Ari­na Zhivot­ko­va. Lore­na Brandl konn­te sich in ihrem ers­ten Kampf knapp durch­set­zen, unter­lag dann aber im Vier­tel­fi­na­le der Tür­kin Nafia Kuş in der Gol­den-Point-Run­de. Alex­an­der Bach­mann, an Num­mer 1 gesetzt, gewann sei­nen ers­ten Kampf knapp, unter­lag dann aber im Vier­tel­fi­na­le dem Ser­ben Draš­ko Jova­nov.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Rabia Gülec mit ihrer Bronzemedaille
Foto: Patrick Upmann – Deut­sche Tae­kwon­do Uni­on (DTU)

Mit Hamzas Sil­ber- und Rabi­as Bron­ze­me­dail­le fiel das Gesamt­ergeb­nis des DTU-Teams, gemes­sen an den let­zen bei­den Euro­pa­meis­ter­schaf­ten (2014 ein­mal Sil­ber und zwei­mal Bron­ze, 2012 drei­mal Bron­ze), im Rah­men der Erwar­tun­gen aus. Die „fet­ten Jah­re”, als das deut­sche Team 2008 drei­mal Gold, ein­mal Sil­ber und drei­mal Bron­ze sowie 2006 zwei­mal Gold, ein­mal Sil­ber und ein­mal Bron­ze ver­bu­chen konn­te, lie­gen aller­dings schon lan­ge zurück.

Die Natio­nen­wer­tung gewann das bri­ti­sche Team mit drei­mal Gold und ein­mal Bron­ze – dank drei­er Titel bei den Damen (zwei Favo­ri­ten­sie­ge durch Jade Jones und Bian­ca Walk­den und ein Über­ra­schungs­er­folg durch einen „Nobo­dy”, die 16-jäh­ri­ge Lau­ren Wil­liams, die zu die­sem Zeit­punkt an Nr. 166 der Welt­rang­lis­te zu fin­den war).

Europameisterschaft 2016 Montreux - Das türkische Team
Foto: Tür­ki­ye Tae­kwon­do Feder­asyo­nu (Tür­ki­sche Tae­kwon­do Föde­ra­ti­on)

Platz zwei ging an die Tür­kei, die zwar eine Gold­me­dail­le weni­ger, aber drei Sil­ber­me­dail­len und zwei Bron­ze­me­dail­len ver­bu­chen konn­te. Russ­land beleg­te mit 2 x Gold, 1 x Sil­ber und 6 x Bron­ze Platz drei, Bel­gi­en (2 x Gold und 2 x Bron­ze) Platz vier und Por­tu­gal (2 x Gold) Platz fünf.

Europameisterschaft 2016 Montreux - Rabia Gülec mit ihrer Bronzemedaille und den Trainern Carlos Esteves, Özer Gülec und Georg Streif
Foto: Patrick Upmann – Deut­sche Tae­kwon­do Uni­on (DTU)

Europameisterschaft 2016 Montreux - Rabia Gülec mit ihrer Bronzemedaille sowie ihrer Schwester Sümeyye Manz
Foto: Patrick Upmann – Deut­sche Tae­kwon­do Uni­on (DTU)

Herz­li­chen Glück­wunsch an die Medail­len­ge­win­ner, ins­be­son­de­re natür­lich an Rabia!

Euro­pa­meis­ter­schaft 2016 in Mon­treux, Schweiz, von Don­ners­tag, 19.05.2016 bis Sonn­tag, 22.05.2016:

Anna-Lena Fröm­mingD‑57-
Rabia GüleçD‑673. Platz

Tahir GüleçH‑80-

(27.05.2016 Alfred Cas­ta­ño)

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